Mariam! Magdala!
Eine Spurensuche. Der folgende Rundgang führt zu einzelnen Ausstellungsstücken der Dauerausstellung im BIMU in Bezug auf das Thema "Maria Magdalena".
Entdecken Sie Fundstücke und älteste Texte in der Dauerausstellung des BIMU in neun Stationen:
- Einladung ins BIMU
- Plan der 9 Stationen im BIMU
- 1/ Wer hat den Christus gesalbt?
- 2/ Maria ist von Anfang an mit dabei
- 3/ MAGDALA heißt: Turm
- 4/ Maria und die Salb-Fläschchen
- 5/ Bis zum bitteren Ende
- 6/ Wo liegt das Grab?
- 7/ MARIAM: Liebe gegen Tod
- 8/ Apostelin der Apostel
- 9/ Neue Thesen
- Nächste Führungen & Veranstaltungen
- Literaturtipp
- Nichts mehr verpassen
Entdeckungsreise auf den Spuren Maria Magdalenas im BIMU - im Rahmen der aktuellen Ausstellung im Städel-Museum
Sin - Pray - Love!? - es gibt alle möglichen populären Klischees. Ist Maria Magdalena „Hure oder Heilige“? oder beides? Der Gang durch die abendländische Kunst vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart im Städel eröffnet neue Perspektiven. Manche reduzieren Maria Magdalena heute darüber hinaus auf eine (un-) mögliche skandalöse sexuelle Affäre mit Jesus.

So sehr man nach „Mariam Magdala“ in der Bibel suchen muss - ihre Bedeutung muss zu Beginn des Christus-Ereignisses so groß gewesen sein - als Zeugin von Kreuz und Auferstehung -, dass es den männlichen Autoren nicht gelungen ist, ihre Geschichte ganz zu tilgen.
Einladung ins BIMU
Gegen Vorlage eines gültigen Tickets für die Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum erhalten Besucherinnen und Besucher vom 4. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 einmalig freien Eintritt ins BIMU in der Metzlerstraße 19, nur zehn Gehminuten vom Städel Museum entfernt.
Neun Stationen, um MARIAM! MAGDALA! mit ihrer erstaunlichen Geschichte neu zu entdecken.
Die BIMU-Spur konzentriert sich auf die ältesten Zeugnisse zur Lebenswelt vor 2000 Jahren und zu den frühesten Texten.
Die Person, die uns in Europa als „Maria Magdalena“ bekannt ist, wurde von Jesus bei ihrem aramäischen Namen Mariam gerufen (Johannes 20,16: NT griechisch). Magdala könnte ihr Herkunftsort sein. Eventuell ist Mariams Beiname ein Ehrentitel mit der Bedeutung “Turm, Festung, Stärke“ (aramäisch „Magdala“), ähnlich dem Beinamen „Petrus“, der Fels, für den Apostel Simon aus Bethsaida.
Plan der 9 Stationen im BIMU

1/ Wer hat den Christus gesalbt?
Entgegen einer spätantiken Tradition weist nichts in den Evangelien darauf hin, dass es Maria Magdalena war, die Jesu Füße gesalbt hat.
Später, am Grab, hat Maria Magdalena Duftöl dabei, aber das Grab ist leer.
Kosten Sie den Duft von Narde im BIMU. Sie finden diese Station im Untergeschoss oberhalb der schiefen Ebene bei den „Düften der Bibel“.

Sie finden den Nardenduft im BIMU im Untergeschoss.
2/ Maria ist von Anfang an mit dabei

Manche kennen nur die „zwölf Apostel“. In den Evangelien ist deutlich - Frauen gehörten mit zur Gruppe um Jesus von Nazaret von Anfang an (Lukas 8). Maria Magdalena ist eine von ihnen - immer mit dabei.
Eine Audiostation zu Maria Magdalena im Erdgeschoss im blauen Bereich.
3/ MAGDALA heißt: Turm

BIMU-Nachbau des Bootsfundes von Nof Ginosar in unmittelbarer Nähe zur antiken Ortslage „Tarichäa“ am See Gennesaret, das ab der Spätantike „Magdala“ genannt wird und als Herkunftsort von Maria „Magdalena“ gilt.
Magdala (aramäisch) heißt „Turm, Festung, Stärke“.
Bis vor kurzem gingen auch wir davon aus, dass der in der Bibel griechisch überlieferte Name „Mariam he Magdalene“ sich auf einen Ort mit Namen „Magdala“ (Migdal) am Ufer des See Gennesaret bezieht.
Neuere Forschung schlägt vor: „Magdala“ ist ein Ehrentitel der Maria.
Der Name (griechisch) “Mariam he Magdalene“ ist ein seltener Fall in der Antike, bei dem ein Frauenname ohne die Beigabe einer männlichen Bezugsperson gennant ist, wie bei weiteren Frauen mit Namen „Maria“: “Maria, Mutter des Joses“ oder „Maria, Frau des Kleopas“.
So wie Simon den Beinamen „Petrus“ (der Fels) bekam, oder ein anderer Simon „Zelotes“ (der Eiferer) genannt wird, so könnte Maria „Magdalene“ den Ehrentitel „Turm, Festung, Stärke“ (von aramäisch „Magdala“) tragen - als treue Begleiterin Jesu bis zu Kreuz und Grab.
Fest steht: Maria kommt aus Galiläa. Steigen Sie ein ins Galiläa-Boot im BIMU! Sie finden das Boot im Erdgeschoss.
4/ Maria und die Salb-Fläschchen
Maria Magdalena kauft Salböl, um Jesu Leichnam zu salben (Markus 14, Lukas 24). Es gibt weitere Salbungsgeschichten mit einer Frau als Hauptperson.
“Christos“ (griechisch) heißt: „Gesalbter/ König“.
/ Eine Salbungs-Szene spielt in Galiläa im Haus von Simon, dem Pharisäer. Eine Frau ohne Namen wäscht Jesus die Füße mit ihren Tränen und trocknet sie mit ihrem Haar. Die anderen Gäste nennen die salbende Frau “Sünderin“ - nur an dieser Stelle (in Lukas 7).
/ Die andere Szene spielt in Betanien bei Jerusalem im Haus von Simon, dem Aussätzigen. Dort zerbricht eine namenlose Frau ein Glasfläschchen mit Nardenöl, das 300 Denare (ein Jahreslohn) wert ist und salbt Jesus (Markus 14, Matthäus 26).

Salbfläschchen aus Glas und Keramik aus der Zeit Maria Magdalenas vor 2000 Jahren, Leihgabe der Israelischen Antikenverwaltung an das BIMU.
/ Eine Salbung geschieht in Betanien im Haus der Geschwister Maria, Marta und Lazarus. Maria von Betanien salbt Jesu Füße mit einem halben Pfund Nardenöl und trocknet sie mit ihrem Haar (Johannes 12).
5/ Bis zum bitteren Ende

Fund eines Fersenbeinknochens mit einem Nagel aus Jerusalem (Gips-Abguss) - unzählige Menschen sind im ersten Jahrhundert nach Christus unter der Herrschaft der Römer als Rebellen gekreuzigt worden.
In den ältesten Berichten von der Kreuzigung ist deutlich: die „zwölf Apostel“ sind am Kreuz nicht dabei. Sie verstecken sich.
Aber Frauen sind dabei - bis zum bitteren Ende. Maria Magdalena ist eine von ihnen. (Matthäus 27, Markus 15, Lukas 24, Johannes 19)
6/ Wo liegt das Grab?
Maria Magdalena ist nicht nur von Anfang an, schon in Galiläa, mit dabei. Sie steht unter dem Kreuz. Sie ist auch dabei, als Jesus in einer Grab-Höhle in der Nähe von Golgatha beigesetzt wird.
„Und Josef … legte ihn in sein neues Grab. … Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber“ (Matthäus 27,61/ Markus 14,47, siehe auch Lukas 23,55)
Wo ist das Grab? Schauen Sie sich um!
7/ MARIAM: Liebe gegen Tod
Maria Magdalena erlebt die Hinrichtung Jesu und die Grablegung. Sie gibt nicht auf. Mit anderen Frauen kauft sie nach dem Sabbatfeiertag kostbares Öl, um zum Grab zurück zu kehren und Jesus zu salben. Das ist ein Liebesdienst über den Tod hinaus.
Der aramäische Name „Mariam“ hat sich an manchen Stellen im griechischen Text des Neuen Testaments für die Person, die wir Maria Magdalena nennen, erhalten (zum Beispiel Matthäus 27,61: NT griechisch). Jesus nennt sie bei ihrem aramäischen Namen am Grab (Johannes 20,16: NT griechisch).

Im Erdgeschoss finden Sie in der Vitrine vor dem Kreuz-Pfahl Salbgefäße, Fundstücke aus der Zeit Maria Magdalenas.
8/ Apostelin der Apostel

Knochenkiste aus einer Grabhöhle bei Jerusalem aus dem ersten Jahrhundert nach Christus mit Salbfläschhen aus dem selben Grab. Die Knochen der Verstorbenen, so nimmt man an, werden in den Knochenkisten gesammelt in Erwartung der Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag.
Alle vier Evangelien wissen, dass Maria Magdalena zu den Frauen gehört, die nach drei Tagen zum Grab gehen.
Im Johannesevangelium (Kapitel 20) ist Maria Magdalena die erste Person, die dem von den Toten auferstandenen Jesus begegnet. Jesus ruft sie auf aramäisch bei ihrem Namen: „Mariam!“ - Jesus gibt ihr den Auftrag, den anderen davon zu erzählen: Christus ist auferstanden von den Toten. Sie ist die Gesandte (griechisch „Apostolos“), die den „Aposteln“ die gute Botschaft bringt: Apostelin der Apostel. Die erste Predigt hält eine Frau: „Ich habe den Herrn gesehen und er hat es mir gesagt.“ (Johannes 20)
9/ Neue Thesen

Entdecken Sie das Forschungsprojekt zur Überprüfung antiker und mittelalterlicher griechischer Texte des Neuen Testaments: anhand von Sprachmodellen und Machine Learning überprüfen Forscher*innen die Entwicklung der Texte, und wie zum Beispiel Frauen, wie Maria Magdalena, darin in den Hintergrund rücken.
Entdecken Sie die These von Elisabeth Schrader-Polczer, USA, zu Maria Magdalena: Nach verschiedenen Beobachtungen an antiken Papyrushandschriften des Johannesevangeliums kommt Frau Schrader zu der Auffassung, dass hinter den drei Gefährtinnen Jesu (Maria Magdalena, Maria von Betanien und Marta von Betanien) eigentlich nur eine bedeutende Frauen-Figur steht: Maria Magdalena. Um ihre Bedeutung zu verringern, sei sie in drei Frauengestalten aufgeteilt worden, meint Frau Schrader. Nach dieser These wäre Maria Magdalena dann auch diejenige, die Jesus salbt (verborgen hinter der Figur „Maria von Betanien“ in Johannes 12). Die These ist umstritten.
Was sagen das koptische Evangelium nach Maria und ähnliche frühchristliche Texte?
Spätere Texte zu Maria Magdalena aus den folgenden Jahrhunderten heben ihre Rolle in der Gruppe derer, die Jesus nachfolgen, hervor. Sie steht häufig in Gegnerschaft zu Simon Petrus. Diese Texte, fragmentarisch auf griechisch oder koptisch erhalten, stammen - wie viele spätere frühchristliche Texte - aus einem esoterischen Umfeld, häufig als „gnostisch“ bezeichnet: Welt-abgewandt und asketisch.
Maria Magdalena tritt darin als Person auf, die von Jesus Geheimwissen offenbart bekam. Daran zeigt sich der esoterische Charakter der Texte. Die Nähe zwischen Maria und Jesus ist im Sinne der Texte „spirituell“, nicht sexuell.
Typisch für die Zeit ist, dass Maria sich in diesen antiken Texten von anderen Frauen dadurch abhebt, dass sie besonders „männlich“ sei. Das hängt mit dem antiken Körperbild zusammen, das in jeder Person männliche und weibliche Anteile annimmt. Zum Beispiel durch Enthaltsamkeit kann sich eine eher „weibliche“ Person nach antiker Vorstellung ‚verbessern‘ zu einer „männlichen“ Person.
Es gibt also gute Gründe, dass diese Texte nicht in der Gruppe der Schriften aufgenommen sind, die als besonders „heilig“ gelten und im Neuen Testament versammelt sind.
Nächste Führungen & Veranstaltungen
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Sonntag 15 Uhr
18. Okt
öffentliche Führung
Mariam! Magdala!
Dauer 0.5 Stunden
MARIAM!
Eine archäologische Maria Magdalena Spur
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Sonntag 14 Uhr
15. Nov
öffentliche Führung
Mariam! Magdala!
Dauer 0.5 Stunden
MARIAM! MAGDALA!
Eine archäologische Spur zu Maria Magdalena
-
Sonntag 14 Uhr
29. Nov
Start im STÄDEL Museum Schaumainkai
Mariam! Magdala!
Dauer 1.5 Stunden
Stadtspaziergang. Vom Städel ins BIMU
Kooperation im Rahmen der Ausstellung MARIA MAGDALENA Sin.Pray.Love im Städel Museum
Literaturtipp

Die Funde aus der Zeit und dem Land Jesu im BIMU, reich bebildert und mit Hintergrundwissen.
In der Publikation „Judäa und Jerusalem. Leben in römischer Zeit“ hat Heike Omerzu einen Artikel zu „Frauen in der Nachfolge Jesu“ beigetragen.
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