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Jaffa oder Yafo (Ausschnitt) / Von Gerd Helbig

Gerd Helbig, ZDF-Korrespondent in Israel von 2005 bis 2009, berichtet in einem Beitrag des Buches zur Ausstellung „Jaffa – Tor zum Heiligen Land“ von seiner Zeit in der Hafenstadt. Im folgenden Ausschnitt erzählt der renommierte Fernsehjournalist die Geschichte einer Bekanntschaft mit dem Apotheker Fahkri Geday, einem palästinensischen Christen: 

Am alten Hafen von Jaffa
Am alten Hafen von Jaffa

"Das Schicksal, ja die Tragödie dieser „ältesten Hafenstadt der Welt“ ,wie es so schön heißt, mit den schmückenden Beinamen „Braut des Meeres“ oder „Die Schöne des Meeres“ oder „Die Mutter der Fremden“ sickerte erst allmählich in unser Bewusstsein.

Die Bekanntschaft mit Fakhri Geday hat uns die Augen geöffnet. Die Gedays sind eine alteingesessene Familie, palästinensische Christen, deren Apotheke ein Markenzeichen Jaffas war und bis heute blieb. Er konnte mit resignierter Melancholie das Schicksal seiner Stadt beklagen. 1927 geboren, hat er als Kind noch die guten Jahre dieses Juwels von Palästina, wie er es nannte, miterlebt. Eine Zeit, in der zumindest die jüdische und die arabische Oberschicht miteinander auskamen, einander sogar achteten; eine Zeit, in der jüdische Geschäftsleute ganz selbstverständlich arabisch sprachen. Aber schon in diesen Jahren begann es in der Bevölkerung zu gären und es kam zu blutigen Aufständen. Die Briten hatten 1917 Palästina nach Abzug der Osmanen als Mandat übernommen und sich nicht als verlässliche Ordnungsmacht erwiesen. Die Nation, die sie den Arabern versprachen, wurde nie Wirklichkeit.

Die Apotheke mit der hässlichen Stahltür war einst weiß, in den 20er Jahren wurde sie grün gestrichen und grün lackiert ist sie bis heute geblieben. Jeden Tag kümmert sich der alte Geday um seine Kunden, man könnte sogar sagen: Patienten. Denn oft übernimmt er die Rolle des Arztes. Mit dem Verlust Jaffas findet er sich schwer ab. „Seit Hunderttausend die Stadt verließen, gibt es das großartige Jaffa nicht mehr.“ Er sagt „verließen“ - nicht flüchteten oder vertrieben wurden. Obwohl sie sehr wohl vertrieben wurden oder, wenn sie flüchteten, es vor der Gewalt taten. Das war 1947/48. Die Briten hatten das Mandat abgegeben und die Vereinten Nationen mit ihrem Teilungsbeschluss die Grundlage des Staates Israel gelegt. Obwohl auf der Karte aus New York Jaffa als arabische Enklave im zukünftigen Israel verzeichnet war, entbrannte ein heftiger Kampf um die Stadt. Im Mai 1948 gab Jaffa auf.

Das Buch zur Ausstellung erscheint im September 2013.
Das Buch zur Ausstellung

In den Worten des Apothekers klang nicht nur die Wut über das Verlieren, sondern auch die maßlose Enttäuschung über das eigene Versagen mit. Die Uneinigkeit der Araber war der beste Verbündete der angreifenden Juden. Deren Untergrund-Organisationen, die als Kampfmittel auch Terroranschläge nutzten, hatten den verbissenen politischen Willen, der den zersplitterten Arabern fehlte. In Jaffa blieben ganze fünftausend Palästinenser zurück. Die Israelis ließen die versprengten Bewohner nie mehr zurückkehren - von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Zu diesen Ausnahmen gehörte der Apotheker Fakhri Geday. 1950 kam er nach seiner Ausbildung in Beirut zurück und übernahm die Apotheke. Ihre umfangreichen Ländereien wurden enteignet. Inzwischen führt der Sohn, ausgebildet in Istanbul, die grüne Institution. Fakhri Geday lud uns in sein altes Haus in einer unscheinbaren Nebenstraße ein. Auf der Terrasse mit dem Blick in einen ummauerten Garten mit Orangenbäumen servierte uns Frau Geday Tee und Gebäck. Auf einer Kommode standen die bräunlichen Familienfotos - noch aus der osmanischen Zeit. Einer guten Zeit. 2011 starb die alte Dame. Er arbeitet weiter Tag für Tag, kommt aber nur noch am Nachmittag.

Nach 1948 verfiel und verkam Jaffa. Erst in den 1960er Jahren entschieden die Israelis die Altstadt nicht abzureißen, sondern aufwendig zu renovieren. So poliert und schön war sie nach allen Schilderungen früher nie gewesen. In diese Neuschöpfung zogen Künstler und Galerien ein. Araber durften nicht wieder zurück. Uns kam diese Atmosphäre zu keimfrei vor. Nur nachts, wenn die schmalen Gässchen und steilen Treppen im Halbdunkel lagen, spürte man den Zauber Alt-Jaffas und war bereit zu glauben, dass es so einmal gewesen war."

In der nächsten Folge dieser Online-Reihe erscheint ein Beitrag zu den Hintergründen der archäologischen Grabungen in Jaffa. Eine Filmdokumentation Gerd Helbigs zu Jaffa wird in der Sonderausstellung gezeigt.

Neuerscheinung

Das Buch zur Ausstellung "Jaffa - Tor zum Heiligen Land" ist jetzt erschienen bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media. Die Herausgeber sind Martin Peilstöcker und Jürgen Schefzyk.

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