Aktiv werden
Newsletter
Links
Download
Kontakt / Team
Impressum
Datenschutz
Spenden Sie jetzt!
AKTIV WERDEN
für das Bibelhaus

Spenden Sie jetzt!
Ausstellung
Das Bibelhaus
Besucherservice
Bildung & Vermittlung
Presse & Information
gott-wmd

Yafo − gestern, vorgestern:

Bild eines Ausgrabungsareals in Jaffa von 1964
Ausgrabungsareal in Jaffa

Die Vergangenheit liegt noch vor uns

Von Dr. Martin Peilstöcker

„Gestern, vorgestern“ ist der deutsche Titel eines berühmten Romans von Samuel Joseph Agnon. Er verbindet darin Jahrtausende alte (jüdische) Tradition mit der Moderne und zwar in der Geschichte von Jizchak Kummer. Der macht sich Anfang des Jahrhunderts, wie der Autor selbst, auf den Weg von Galizien nach Jaffa in Palästina, um sich in der alten neuen Heimat niederzulassen und Land zu bebauen.

Er beschreibt Jaffa so:

 

„Jaffa, die Meeresschöne, ist eine Stadt aus der Vorzeit. Japhet, der Sohn Noahs hat sie gebaut und nach sich benannt. Aber von Japhets großer Schönheit ist ihr nur das verblieben, was Menschen ihr nicht fortnehmen konnten.“

Im Jahr 1950, zwei Jahre nach Gründung des Staates Israel, wurden die Städte Tel Aviv und Jaffa vereinigt. Damit ging die Unabhängigkeit einer der ältesten Städte in der südlichen Levante zu Ende. Jaffa, hebräisch Yafo, arabisch Yafa, liegt südlich der modernen Stadt Tel Aviv an der Mittelmeerküste Israels zwischen Caesarea und Gaza, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Jerusalem. Der Ort besteht aus einem antiken Tell und einer weitläufigen Unterstadt mit Hafen und war seit der frühen Bronzezeit fast ohne Unterbrechung besiedelt. Das belegen zahlreiche archäologische Grabungen.

 

Fragment des Ramses-Tores
Fragment des Ramses-Tores

Erste urbane Siedlung in der mittleren Bronzezeit

Eine erste permanente urbane Siedlung datiert aus der zweiten Hälfte der mittleren Bronzezeit (1700 bis 1550 vor Christus). Von ihr sind ein Erdwall zur Stadtbefestigung und Gräber bekannt. In der späten Bronzezeit wurde Yafo zum ägyptischen Stützpunkt. Die ägyptische Präsenz spiegelt sich nicht nur wider in den Ruinen der Festung, die auf dem Hügel freigelegt wurden, sondern auch in der materiellen Kultur ihrer Bewohner. So machen zum Beispiel ägyptische Importwaren und Imitationen einen großen Teil der Tongefäße aus. Zur Zeit Ramses II. wurde das Tor der Festung mit Hieroglyphen versehen.

Auch wenn der Ort in der frühen Eisenzeit (1200 bis 1000 vor Christus) zu den nördlichen Siedlungen im Einflussbereich der Philister gehörte, wie Keramikfunde zeigen, so weist der biblische Bericht Yafo als phönizischen Hafen aus. Im zweiten Buch der Chronik wird beschrieben, wie Salomo libanesische Zedern für den Bau des Jerusalemer Tempels über den Hafen von Yafo einführen lässt (2. Chronik 2,15).

Archäologische Spuren aus der sogenannten Eisenzeit II wurden bei verschiedenen Grabungen der letzten Jahre freigelegt. Eine weitläufige Unterstadt umschloss damals die stark befestigte Oberstadt. Stadtarchäologe Jacob Kaplan, der Teile dieser Befestigung entdeckte, erklärt sie durch die assyrische Bedrohung im 8. Jahrhundert vor Christus. Obwohl Yafo nur beiläufig erwähnt wird, lässt die biblische Geschichte Jona von hier aus nach Tarsis aufbrechen (Jona 1,3).

Blütezeiten und kurzer Niedergang

Es sind erneut die archäologischen Funde, die die Blüte der Stadt in der Perserzeit und in der hellenistischen Epoche zeigen. Die Stadt wird ausgebaut, auch die Unterstadt ist dicht besiedelt und wird größer. Nachdem Palästina 63 vor Christus unter römische Kontrolle gelangt war, erlebte die Stadt kurzzeitig einen Niedergang. Das könnte mit der Errichtung des Hafens von Caesarea Maritima durch Herodes zusammenhängen. Die Grabungen in der Unterstadt zeigen jedoch, dass sich die Stadt noch gegen Ende der römischen Epoche erholte und in der byzantinischen Zeit erneut aufblühte.

Fund einer Grabstätte
Fund einer Grabstätte

Die christliche Tradition erwähnt einen Aufenthalt des Apostels Petrus (Apostelgeschichte 9,36-43) in Jaffa und im 4. Jahrhundert wird sie zum Bischofssitz. Der Reichtum wird zum einen an öffentlichen Einrichtungen wie einer Badeanlage deutlich, aber auch an einem Viertel, in dem praktisch jedem Haus eine große Weinkelter zugeordnet werden kann. Die Weinproduktion, wahrscheinlich für den Export, scheint für die Wirtschaft des Ortes so wichtig gewesen zu sein, dass sie, wenn auch in reduziertem Umfang, nach der Islamisierung Palästinas Anfang des 7. Jahrhunderts nach Christus weitergeführt wurde.

Der Hafen der Stadt war verantwortlich für ihre Blüte auch in der Kreuzfahrerzeit. Er wurde ihr dann aber zum Verhängnis, da die Mamluken befürchteten, nachdem Sultan Beibars 1267 die Stadt erobert hatte, die Kreuzfahrer könnten erneut über das Mittelmeer einfallen. Deshalb wurde Jaffa völlig zerstört und erholte sich erst langsam im 16. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft.

Tel Aviv entstand 1909 als neuer Vorort

1799 wird die inzwischen wieder befestigte alte Oberstadt von Napoleon erobert und gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird die alte Stadtbefestigung aufgegeben. Es entstehen neue Viertel nördlich, südlich und nordwestlich. 1909 wird nördlich ein neuer Vorort gegründet, der wenig später Tel Aviv genannt wird.

Eine moderne Rettungsgrabung
Eine moderne Rettungsgrabung

In Jaffa wurden zwischen 1948 und 2012 etwa 120 archäologische Grabungen durchgeführt, als Forschungsprojekte und als Rettungsgrabungen. Die ersten Ausgrabungen in Jaffa waren das dritte lizensierte Grabungsprojekt nach der Staatsgründung. Es wurde von P.L.O. Guy und Jacob Pinkerfeld geleitet. Guy, ehemaliger Direktor der amerikanischen Megiddo-Ausgrabungen, war Direktor des „Excavation and Survey Departments“. Pinkerfeld, ein gelernter Architekt, war Verantwortlicher des „Monument Conservation Department“ des damaligen „Israel Department of Antiquities and Museums“ (IDAM). Wie aus den Unterlagen des Archivs des IDAM der britischen Mandatsregierung hervorgeht, hat insbesondere Guy in seiner Eigenschaft als Inspektor der Abteilung Jaffa oft besucht und war über die Situation dort bestens informiert.

Forschungen zu biblischer Geschichte

Im Jahr 1936 beschloss die Mandatsregierung, um den Unruhen der palästinensischen Bevölkerung Herr zu werden, breite, neue Straßen anzulegen. Dazu sprengte man Breschen in das System der engen Gassen. Die drei neuen Hauptstraßen hatten die Form eines Ankers und so wurde das Projekt auch genannt, aber nie zu Ende geführt. Im Gegenteil, die Unruhen und Ereignisse in der Zeit bis zur Staatsgründung und kurz danach verwüsteten zusätzliche Teile der Altstadt. Paradoxerweise eröffneten die Zerstörungen den Archäologen die Möglichkeit, die vormals überbauten Teile des antiken Tell auszugraben und nach Spuren insbesondere der biblischen Geschichte der Stadt zu forschen. Genau das war es, was die erste Grabung veranlasste und auch eine weitere der Universität von Leeds in England Anfang der 1950er Jahre.

Archäologische Arbeit heute in Jaffa
Archäologische Arbeit heute in Jaffa

Zur gleichen Zeit fing Dr. Jacob Kaplan an, in Jaffa zu arbeiten. Er entdeckte im Laufe der Jahre sowohl Überreste der biblischen Epochen als auch des jüdischen Lebens in den klassischen Epochen. Kaplan konzentrierte sich zunächst auf die unbewohnten, freien Flächen, von denen er zuerst die modernen Überreste mit mechanischer Hilfe entfernte. Obwohl er es verstand, viele Denkmäler in Jaffa vor dem Bagger zu retten, versäumte er es, die Ergebnisse seiner zahlreichen Grabungen umfassend zu veröffentlichen. Nur einige kurze Aufsätze und Berichte erschienen von ihm. In Jaffa richtete er, mit Unterstützung der Stadt Tel Aviv, einen archäologischen Park und ein archäologisches Museum ein, in dem nicht nur einige der wichtigsten Funde ausgestellt wurden, sondern auch die Funde seiner Grabung gelagert und zum Teil bearbeitet wurden.

Seit 2007 arbeitet das „Jaffa Cultural Heritage Project“

Nach einer Zeit ruhender Grabungstätigkeit nach der Pensionierung Kaplans gibt es seit Anfang der 1990er Jahre wieder Rettungsgrabungen in Jaffa. Die freigelegten Areale liegen zumeist am Rand der Altstadt und des Tells, aber dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen an der Infrastruktur führten auch zu Grabungen in der Nähe des Hügels. Da ein einzelner Archäologe oder eine einzelne Institution eine umfassende Bearbeitung der archäologischen Arbeit nicht leisten kann, wurde 2007 das „Jaffa Cultural Heritage Project“ (JCHP) als internationales Forschungsprojekt zur Erkundung des kulturellen Erbes der Stadt gegründet. Das Projekt, geleitet von Martin Peilstöcker und Aaron A. Burke und getragen von der Israelischen Antikenverwaltung (IAA), dem archäologischen Institut der „University of California“ in Los Angeles und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Gebiete der Archäologie und verwandter Disziplinen der geschichtlichen Forschung zu verknüpfen.

Archäologischer Park in Jaffa
Archäologischer Park in Jaffa

Das Projekt gliedert sich in die Kernprogramme Forschung und Publikationen, Konservierung, Öffentlichkeitsarbeit und Ausgrabungen. Letztere untersuchten zunächst den Bereich des Besucherzentrums, das ehemalige „Areal C“ der Ausgrabungen Kaplans, wo im Anschluss an die Grabungen ein modernes Museum unter Einbeziehung der archäologischen Monumente und Befunde eingerichtet wurde.

Neue Konzepte für die Öffentlichkeit

Seit 2010 wird das Gelände des Parks um das sogenannten Ramses-Tor ausgegraben. Auch hier hatte Jacob Kaplan schon gearbeitet, allerdings die Ergebnisse seiner Arbeit nur unvollständig veröffentlicht. Gleichzeitig zeichnete sich der „archäologische Park“, von einer Replik des Ramses-Tores abgesehen, durch ein Gewirr von Mauerruinen verschiedener Epochen aus, die selbst vom fachkundigen Besucher schlecht verstanden wurde. Auch hier soll deshalb nach Abschluss der Grabungsarbeiten ein neues Konzept erarbeitet werden, um zumindest einen Teil der Vergangenheit des Ortes gut verständlich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Schulkinder entdecken das antike Jaffa.
Schulkinder entdecken das antike Jaffa.

Doch nicht nur die allgemeinverständliche Darstellung der Ruinen nach Beendigung der Grabungen ist ein Anliegen des JCHP. Auch die Öffnung der Grabung für die Mitarbeit interessierter Laien ist Teil des Projekts. Das, ohne einen Grabungstourismus fördern zu wollen und ohne billige Arbeitskräfte zu suchen. Im Gegenteil: die Mitarbeit von Laien erfordert eine größere Zahl wissenschaftlicher Mitarbeiter für deren Einweisung und Betreuung. Vorträge und Exkursionen an den grabungsfreien Tagen sind außerdem Teil des Programms und müssen ebenfalls finanziert werden. Doch es finden sich immer wieder Menschen aus der ganzen Welt, die die Kosten und die Mühen auf sich nehmen und mitarbeiten, manche zum wiederholten Male. Es sind Berufstätige in ihrem Urlaub, Senioren und Jugendliche. Auch Schulklassen aus Jaffa sind regelmäßige Gäste bei den Grabungen.

Gerade für sie gilt: Die Vergangenheit liegt noch vor uns!

Neuerscheinung

Das Buch zur Ausstellung "Jaffa - Tor zum Heiligen Land" ist jetzt erschienen bei Nünnerich-Asmus Verlag & Media. Die Herausgeber sind Martin Peilstöcker und Jürgen Schefzyk.

Führung buchen

Individuelle Führungen, Programme für Schulklassen, Kinder- und Familienführungen und vieles mehr…

Wir beraten Sie gern zu Ihrem Besuch im Bibelhaus!

Zur Beratung und Buchung